
Urkunde und Foto: Leila Künzel
Ein Tag, der überhaupt nicht mein Tag war und doch mein Tag wurde! – Leila Künzel berichtet über ihren IRONMAN Austria in Klagenfurt 2010
Am Rennmorgen klingelte um 3:00 Uhr der Wecker. Mir war schlecht vor Aufregung. An Frühstücken war nicht zu denken und dennoch habe ich zwei Nutellabrötchen und eine Banane gegessen.
Ich mischte mein Carboo4U hochdosiert, befüllte meine Oberrohrtasche, nahm mir für vor den Start Wasser mit und bevor ich mich versah, war ich schon im Wechselgarten. Luft aufpumpen, Radschuhe am Rad festmachen und dann verließ ich die Wechselzone gemeinsam mit Samir, Simona und André.
Nachdem es mir zu stressig wurde und die anderen noch beim Anziehen ihrer Wechselkleidung waren, ging ich mit Samir zum Einschwimmen. Uwe war nicht mehr zu sehen. Im Strandbad traf ich dann meine Eltern Rita und Bertram und ich dachte schon, dass wir uns bei den Massen nicht mehr sehen. Nachdem der Neo angezogen war und es kurz vor dem Start war, sind wir noch ein paar Meter geschwommen.
Dann war es soweit. Ich stand mit ca. 2400 anderen Athleten gemeinsam im Wasser und dann das … mein Pulsgurt hat ausgesetzt, zeigte auf einmal nichts mehr an. Nach einigem wilden Hin- und Herdrücken auf meiner Uhr funktionierte es wieder und dann fiel auch schon der Startschuss. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht mal meine Schwimmbrille auf.
Die ersten Meter waren eine einzige Prügelei, das eine oder andere Mal teilte ich meinem Nachbarn auch aus. Nach ca. 1000 m hatte sich das Feld beruhigt und ich fand langsam in meinen Rhythmus. Ungefähr bei der Hälfte der Strecke bekam ich Krämpfe und schwamm kurze Zeit Rücken, versuchte meine Wade zu entkrampfen. Das gelang zum Glück auch, also ging es ohne viel Beinschlag weiter in Richtung Lendkanal. Durch den Kanal zu schwimmen war der Wahnsinn, auf einer Länge von ca. 1000 m bis zum Schwimmausstieg waren Zuschauermassen. Ohne auf die Zeit zu achten bin ich aus dem Wasser raus und zum Wechselgarten, habe meinen Radbeutel geschnappt, bin ins Umkleidezelt gelaufen und habe Helm, Brille und Startnummer umgemacht. Dann ging es durch die ca. 700 m lange Wechselzone zum Rad. Mein Rad stand gleich vorn, also brauchte ich es nur schnappen und schon war ich auf der Radstrecke. Hier war von Anfang an mein Puls ungewohnt hoch und ich musste mich immer bremsen nicht zu schnell zu fahren. Also ließ ich viele Athleten an mir vorbeifahren und dachte mir: „Der Tag ist lang … .“ Nach ca. 30 km springt mir die Kette fast runter, was ich dann im Laufe der 180 km noch 3 mal erleben musste. Sollte sich beim Transport etwas verstellt haben? Bis dato hatte ich das auf meinem Zeitfahrrad noch nie.
Das erste Mal St. Egyden und Rupertiberg waren toll zu erleben. Eine Stimmung, wie ich sie noch nirgends anders erlebt habe. Gänsehaut pur. Am Rupertiberg sehe ich Krissi und Jens. Jens begleitet mich noch ein Stück bergauf, er im Laufschritt mit Kamera, kurz erzählt und weiter geht’s. Oben am Rupertiberg angekommen, ging es erst mal bis Klagenfurt bergab, 850 Höhenmeter waren geschafft und auch die erste Runde. An der Wendestelle waren so viele Zuschauer, es war ein tolles Gefühl dort lang zu fahren und ich klatschte einige Zuschauer ab und jetzt lagen „nur“ noch 90 km vor mir. Danach bekam ich meine Eigenverpflegung mit Carboo4U gereicht, nur gut, hatte ich zuvor an einer Wechselstelle kein Wasser bekommen, weil ein Teilnehmer die Verpflegungsstelle blockiert hat.
Auf dem zweiten Teil der Radstrecke wurde es schon zäher. Und obwohl so viele Teilnehmer auf der 90-km-Strecke unterwegs waren, waren auch sehr viele Kampfrichter unterwegs und haben das Windschattenfahren gut unterbunden. Nach ca. 100 km kam Samir an mir vorbei gefahren. Déjà-vu wie in Zürich, nur trafen wir uns da bereits auf der ersten Radrunde. Nach einem kurzen Gespräch und einigen Kilometern fuhr jeder sein eigenes Tempo. Beim zweiten Mal St. Egyden sah ich meinen Fanclub, einfach nur genial. Ein kurzes Abklatschen und weiter, allerdings auch fast eine Kollision. Ohne zu schauen ist ein Teilnehmer wieder auf die Strecke gefahren und hätte ich keine Vollbremsung gemacht, wäre ich ihm ins Rad gefahren. Nach einem nicht so netten kurzen Satz ging es weiter. Schon vor dem Rupertiberg wurde es zäh und meine Beine schmerzten. Meine großen Zehnen taten ziemlich weh. Sollten meine Schuhe zu klein geworden sein oder waren es die Socken? Das hatte ich noch nie. Oben am Rupertiberg angekommen kam ein heftiges Gewitter mit Platzregen und Hagel auf. Soviel Regen und teilweise auch Wind, dass es stellenweise nicht mehr möglich war, in der Aeroposition zu fahren. Und das gerade hier, ging es doch vom Rupertiberg fast nur noch bergab bis zum Ziel. That´s Ironman!
In Klagenfurt angekommen, war von dem Platzregen nicht mehr viel zu sehen, hier hatte es nur ganz kurz geregnet. In der Wechselzone angekommen hieß es, schnell das Rad abstellen und wieder ca. 700 m bis zum Runbeutel laufen. Leider hatte ich nicht damit gerechnet, dass es nach der Hitzeschlacht der letzten Tage so regnen könnte und habe daher kein weiteres Paar Socken eingepackt, also lief ich mit den pitschnassen Dingern los. Nur noch 42 km zu laufen. Die Hitze auf der Laufstrecke war brutal. Bei Kilometer 1 sah ich das erste Mal meinen Fanclub wieder. Die Laufstrecke bestand aus zwei zu laufenden Halbmarathonstrecken. Und es war so heiß. Alle zwei Kilometer stand ein Verpflegungsstand, ein halbes Gel und Wasser. Bei Kilometer 15, genau weiß ich es nicht mehr, kam Uwe an mir vorbei, ebenfalls wie in Zürich. Er rief mir zu, dass ich es unter 11 h schaffen könnte. Ab Kilometer 25 verließen mich die Kräfte und die Hitze machte mir ganz schön zu schaffen. Viele Athleten sind mittlerweile gegangen und ich hab mir immer gesagt, diese Kilometer läufst Du jetzt noch zu Ende, wobei die vielen Zuschauerfahrräder am Weg mich ganz schön angelächelt haben, lach. Nach ein paar Kilometern musste ich kurz vor einem Verpflegungspunkt dann doch eine kleine Laufpause einlegen, ich hätte am ganzen Körper Gänsehaut und das, obwohl mir kochend heiß war. Nicht schon wieder einen Sonnenstich. Nachdem ich kurz gegangen bin und ich am Verpflegungspunkt Cola und Wasser in Massen getrunken habe, ging es wieder. Noch etwas Wasser über den Kopf und laufen, laufen, laufen.
Ein Blick auf die Uhr und ich wusste es wird eng mit einer 10er Zeit. An zwei weiteren Verpflegungspunkten bin ich kurz gegangen, um genügend Cola, Wasser, evtl. etwas Gel zu mir zu nehmen. Weiter geht’s, jetzt durfte ich nicht mehr gehen, mittlerweile war ich wieder am Lindwurm und auf dem Weg zurück ins Ziel. Augen zu und durch. Jetzt durfte ich einfach nicht mehr langsamer werden, ich musste eher noch einen Zahn zulegen. Und es wurde immer knapper. Lauf! Lauf! Lauf einfach! Und das machte ich und ich hatte wirklich keine Zeit zu verlieren.
Bei Kilometer 40 kurz gerechnet, es wird eng und ich lief so schnell ich noch konnte. Beim Einbiegen in die Zielgerade hab ich gesehen, ich schaffe es. Die erste Zahl ist eine 10! Die letzten 200 m waren die Entschädigung für all die vielen harten Trainingsmonate, den kalten Winter, die Belohnung! Mit nach oben gerissenen Händen und Tränen in den Augen lief ich ins Ziel. Die letzten 200 m waren einfach toll!! Mit einer Zeit von 10:59:26 überquerte ich die Ziellinie.
Ich hab es geschafft. Ironwoman zum Zweiten und GLÜCKLICH!








