22. Mrz. 2010
Skimarathon Europameisterschaft 2010 – Silvi berichtet über Ihre Ski-Saison – Team Carboo4U…
Alle Fotos: Privat
Am 21.03. fand in Bodenmais das 2. und letzte Rennen für die Skimarathon Europameisterschaft statt. Das Format wurde in diesem Jahr erstmals ausgetragen. Im Rahmen der Euroloppet Serie (Langlauf Marathon Veranstaltungen in Europa) werden jährlich 2 Veranstaltungen in Kombinationswertung auserkoren den/die Skimarathon EuropameisterIn zu ermitteln.
Im Premierenjahr waren dies heuer die Veranstaltungen in St. Johann/ Tirol/ Österreich über 50 km in der freien Technik (Skating- das ist die Langlauf Spur die unwissende ständig mit Wanderwegen verwechseln und den Schnee zertrampeln!)
Und der Skimarathon in Bodemais über 42 km in der klassischen Technik (die beiden parallel zueinander verlaufenden Langlauf Spuren- wenn von den Fußgängern hier nicht erkannt wird dass das eine Langlauf Spur sind muss man Absicht unterstellen
)
Nachdem ich schon vor einer Weile, spätestens jedoch mit meinem Umzug nach Österreich im Juni letzten Jahres Skilanglauf als meine neue Passion entdeckt habe, habe ich mich nach dem Bewerb in St. Johann kurzerhand entschlossen mich für die Europameisterschaft nachzumelden. Ein so schönes neues Format braucht schließlich Teilnehmer!
In der letzten Woche habe ich jedoch mehr als einmal überlegt, ob ich mir die gut 400 km Fahrt nach Bodenmais antue. Erstens musste ich ganz allein auf den Weg gehen, da Patrick mit den Jungs in die Mallorquinische Sonne geflüchtet ist um sich einen Radtrainingsvorsprung zu erarbeiten
. Und Zweitens ging es mir gesundheitlich richtig bescheiden- nichts ansteckendes- aber die böse Stressbedingte Rückenverspannung hat mich heimgesucht und aufgrund der großen Schmerzen beim Atmen und im Kopf von jeglichen Training oder auch nur Treppensteigen abgehalten.
Guten Mutes, dass Wettkampfstimmung sicher förderlich ist, bin ich dann aber doch gefahren, habe spontan ein Hotel für 2 Nächte gebucht und auf dem Weg nach Bodenmais noch bei meinem Trainer Bernhard Reuschl von xp-sport in München vorbeigeschaut. Am Vorabend hatte ich dann eingecheckt, mir den Ort und den Weg zum Start angeschaut und die Unterlagen abgeholt. Weil das Kopfweh noch immer nicht besser war bin ich dann noch eine halbe Stunde in die Hoteleigene Infrarot Kabine und dann noch auf eine Hydromassageliege gegangen- kann ja nicht schaden. Geholfen hat’s nicht. Also mit Kopfweh zum Abendessen- allein im Restaurant- etwas befremdlich, aber doch ganz nett wenn man was zu lesen und einen Laptop dabei hat. Und dann früh früh ins Bett.
Am nächsten Morgen war es tatsächlich besser. Muss wohl doch die Wettkampfstimmung ausmachen. Das Hotelfrühstück war ganz gut, aber viel zu spät wenn man einen Marathon vor sich hat. Frühstück ab 7:15 lt. Hotel- normal ab 8! Und Start war schon um 9 Uhr. Aber egal, ich wollte eh eher locker unterwegs sein.
Dann ging’s raus. Das böse Wetter! 4 Grad und mäßiger bis starker Regen!
Pfui! Ich bin doch Schönwettersportler! Aber das hilft Dir auch nicht wenn Du ganz allein über 400km hierher gefahren bist, Startgeld gezahlt hast und am nächsten Tag gut 300km wieder zurück fahren musst. Also auf geht’s! Wird schon warm werden! Oben am Berg kam zum Regen noch starker Neben und heftiger Wind dazu. Warum auch nicht…
Bis ich vom Parkplatz zum Start gegangen war ich erstmal nass! Aber das war ja egal, schließlich hatte ich schon die Wettkampfkleidung an und nichts zum Überziehen, da ich es ja niemandem hätte geben können vor dem Start. Zum Glück gab es so spät Frühstück
- da musste ich in der Kälte (unterstellen konnte man sich zum Glück im Startbereich!) und feucht (wegen dem Regen natürlich!) nur mehr 20 Minuten auf den Start warten!
Toll war, dass das Damenfeld in Bodenmais eine eigene Startgruppe bildete! 5 Minuten nach der ersten Gruppe wurde das überschaubare Teilnehmerinnenfeld auf die Strecke geschickt! In St. Johann im Massenstart und dann auch noch skatend war das wesentlich unentspannter!
Naja, jedenfalls hatte ich also Platz und bin auch im ganzen Rennen nur einmal gestürzt- und das aus eigener Blödheit! Da der Schnee extrem nass war hab ich danach noch besser aufgepasst! Darauf bin ich jedenfalls schon mal sehr stolz! Insbesondere weil es ständig auf und ab ging!
Das klassische Rennen war für mich wesentlich lockerer als das Skating Rennen, der Puls geht dabei einfach nicht so hoch. Es war zwar auch anstrengend (natürlich hab ich es nicht geschafft einfach nur locker mitzulaufen- ist schließlich Wettkampf!), vor allem an den langen Anstiegen, aber nach jedem Anstieg kam ja auch wieder eine Abfahrt. Irgendwann bei km 25 ca. hab ich meine Arme gemerkt, aber dadurch, dass man immer wieder zwischen verschiednen Techniken variieren kann war das Rennen sehr gut auszuhalten.
Natürlich habe ich deutlich Zeit auf die schnellsten, die Spezialisten verloren. Gewonnen haben 3 Frauen vom ich glaube Tschechischen Nationalteam. Aber sonst war ich eigentlich recht zufrieden. Man muss ja auch berücksichtigen dass ich immerhin in dieser Saison schon 4-mal auf klassischen Skiern stand… Nicht übermäßig oft
.
Dazu kommt halt auch noch ein kleiner Materialnachteil…
Im Startbereich haben alle noch Ihre Ski präpariert. Der normale Wettkampf Langläufer hat so genannte Wachsski. Hier wird die Steigzone (unter dem Fuß) mit einem speziellen Klebewachs präpariert. Sobald entsprechend Gewicht und Druck auf den Ski kommt (durch Belastung) klebt das Wachs dann am Schnee und ermöglicht den Abdruck. Der Rest vom Ski ist mit Gleitwachs präpariert wie beim skaten. Wenn die Steigzone nicht oder nicht so stark belastet wird gleitet der Ski entsprechend gut.
Ich fahre mit ganz günstigen Schuppenski. Das ist die Version für Ski Touristen die ein wenig über die Wiesen wandern wollen im Skiurlaub. Da sind in der Steigzone eine Art Schuppen angebracht, die den Ski am zurückrutschen hindern sollen. Der Vorteil ist dass man kein Wachs braucht- wachsen ist nämlich eine Wissenschaft für sich und obendrein nicht billig. Der Nachteil ist sicher im Speed zu finden…
Vor dem Start hatte ich etwas Angst die einzige mit Schuppenski zu sein und dementsprechend die langsamste. Schnell war ich letzten Endes auch nicht, aber es waren trotzdem noch einige Leute langsamer unterwegs.
Im Ziel war ich nach 3 h 14 Minuten- nicht wesentlich schneller also als wenn ich gelaufen wäre
. Immerhin bin ich damit 4. in der Altersklasse geworden.
Aber ich bin auch 4. in der Skimarathon Europameisterschaft geworden und habe hier eine schöne Stehle gewonnen. In der Altersklasse bin ich entsprechend Vize Europameisterin geworden.
Hinterher war ich nass bis auf die Knochen! Die Handschuhe zum auswringen haben gleich im Ziel für kalte Finger gesorgt- also schnell zum Auto, ab ins Hotel und heiß duschen!
Danach ging es gleich zum Essen in Bodenmais im Verpflegungszelt und dann weiter zur Siegerehrung! Die hat zwar wegen der vielen Altersklassen und 2 Bewerben (24 km konnte man auch machen) lange gedauert, aber der Veranstalter hat sich alle Mühe gegeben das ganze zügig durchzuziehen!
Jetzt sitze ich wieder im Hotel! Genieße einen Latte Macchiato im Restaurant und werde gleich schon Abendessen! Dann früh ins Bett denn morgen geht es weiter nach Innsbruck!