17. Nov. 2008
Jetzt berichtet eine sichtlich zufriedene Birgit Lennartz von Ihrem Trail-Erlebnis in Luxemburg…
Der luxembourgische Trail Uewersauer (Obersauer) über 50,1 km mit Start und Ziel in Heiderscheid reizte mich schon seit Jahren. Und dieses Jahr sollte es sein, zumal Carboo4u einer der Sponsoren ist. Ich rechnete mit keiner großen Konkurrenz und dachte an einen längeren etwas schnelleren Trainingslauf. Doch es sollte anders kommen: Die Hauptkonkurrentin war die Strecke. Trail oder Crosslauf haben einige Läuf e in Deutschland in ihrem Namen, aber oft sind es nur Waldläufe mit einigen unwegsamen Passagen. Wenn es hier mal etwas matschig und unwegsam wird, ist die Strecke schon „verdammt“ schwer. Das sehen unsere Nachbarstaaten wie England, Belgien, Frankreich oder Luxembourg oft anders, hier kann es nicht unwegsam genug sein.
So macht auch der Trail Uewersauer seinem Namen alle Ehre. Schon auf den ersten Kilometern werden Schuhe, Strümpfe und Unterschenkel eingematscht, ausweichen ist sinnlos bzw. unmöglich. Die Strecke verläuft größtenteils durch den Naturpark Obersauer – welcher 1999 gegründet wurde – zum Stausee Obersauer. Dieser ist mit seinen 380 ha das größte stehende Gewässer Luxemburgs und versorgt rund 70 % der hiesigen Bevölkerung mit Trinkwasser. Entstanden ist er 1959 als Stausee im engen Flusstal der Sauer.
Die felsigen Ufer gaben dem künstlichen See Halt. Diesen Untergrund erfuhren auch wir Läufer auf dem Streckenstück zwischen 24 und 36 am See entlang. Aber auch sonst wurde alles an Untergrund geboten: Trampelpfade, glitschige Steine, Laub mit ungewissem Untergrund, Brackwasser, tiefer Schlamm, Matsch, Pfützen, Bäche, Wiesen, Waldwege, etwas Straße und Wirtschaftswege und ein ständiges Auf und Ab wie das Streckenprofil zeigt. So wunderte ich mich nicht, dass ich auf den ersten 10 Kilometern etwas über einem 5erSchnitt lag. Aber die nächsten 10 Kilometer im 6-Minuten Tempo?
So schwer waren die dreckbeladenen Schuhe nun auch nicht. Ich schob die Trägheit auf eine zu lange Saison, ignorierte die Uhr und genoss die Umgebung. Der Nebel hatte sich gelichtet und der Kurs bot vieles für die Augen an: Fantastische Weitsichten, Täler, Flußmäander, dunkle Wälder, Steinskulputuren. Nur viel Schauen durfte man auch nicht, denn meine Oberbekleidung wollte ich doch sauber halten.
Bei Kilometer 40 dachte ich mir, Marathon täte es auch, denn die Beine wurden immer schwerer, die Strecke tiefer und die Anstiege steiler. Zum Glück bei Kilometer 43 die 6. und letzte Verpflegungsstation. Es hätten 2-3 mehr sein können. Dafür aber gut bestückt, auch wenn man aufpassen musste, Carboo4u nicht mit Xenofit zu verwechseln, doch der Geschmack ließ einen dann zum Richtigen greifen. Dieser Energieschub war auch nötig, denn der letzte Anstieg war der steilste und Gehen war angesagt. Nun gut, so konnte man sich noch mal für den Zieleinlauf etwas zurechtmachen.
Doch diese Mühen wurden auf dem letzten „Gummikilometer“ wieder zunichte gemacht: Tiefer Schlamm, etwas Nieselregen und Wind zersauste Frisur und verdreckte Schuhe, Strümpfe und Hose noch mal gründlich ein. Endlich, die Carboo4u-Fahne und das Zieltransparent und Nach 4:44 h wieder „festen“ Boden unter den Füßen. Erste Reinigung am Schuhputzbecken. Die Farbe der Schuhe wurde wieder sichtbar. Wer dies nicht tat und die Schuhe vor den Umkleiden abstellte, musste anschließend suchen, denn die „Dreckgurken“ ähnelten sich doch alle sehr.
Bei der Siegerehrung gegen 16 Uhr in der Mehrzweckhalle war das Carboo4u-Team im Frauenbereich gut vertreten: Susanne Beisenherz 4. im Gesamteinlauf gewann die Bergwertung (beste Zeit zwischen 19,5 und 20 km) und ich siegte in der Gesamtwertung bei den Frauen.
Nach einem langen schweren, aber auch eindrucksreichen Tag fuhren wir nach 24 Stunden wieder heimwärts. Wahrscheinlich wird mir das Profil und der Untergrund beim Siebengebirgsmarathon in einem Monat wie eine Autobahn an der Küste entlang vorkommen.
Beste Grüße
Eure Birgit Lennartz
Wer mich noch nicht kennt, ich heiße Birgit Lennartz, bin seit dem 22.11.1965 auf der Welt und betreibe Langstreckenlauf seit 1978. Aufgewachsen und zur Schule gegangen bin ich in St. Augustin. In Köln habe ich Sport studiert, danach in Bonn ein bisschen in die Oekotrophologie reingeschnuppert, um dann dort noch eine Ausbildung zur Physiotherapeutin abzuschließen. Die Ernährungswissenschaften sind aber mein Steckenpferd geblieben. Als erfolgreiche Langstreckenläuferin (siehe unter www.marathon-und-mehr.de, Portrait Birgit Lennartz) mit theoretischem Hintergrundwissen aufgrund meiner Ausbildungen gebe ich mein Wissen und meine Erfahrungen natürlich auch in Seminaren und Aufsätzen weiter. So sind mein Ehemann Udo (ich heiße offiziell seit 1992 Lennartz-Lohrengel) und ich seit 2001 Herausgeber der Laufzeitschrift für den Landschafts-Erlebnislauf Marathon & mehr.